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E-Mobility: Die Zukunft fährt elektrisch

Befragung der Unternehmensberatung PwC

Künftig sollen immer mehr Fahrzeuge mit konventionellen Verbrennungsmotoren durch Elektroautos ersetzt werden, doch noch fremdeln viele Deutsche mit der neuen Technik. Das musste auch die Kanzlerin in ihrem Sommerinterview kürzlich zugeben. Die von der Bundesregierung angestrebte eine Million elektrische Fahrzeuge bis 2020 dürfte mittlerweile kaum noch zu erreichen sein. Trotzdem wächst die Branche langsam aber sicher und das Interesse steigt. Doch die Zukunft der E-Mobilität birgt einige Herausforderungen und um die Skepsis der Endverbraucher zu überwinden, braucht es innovative Lösungen für eine ganze Reihe von Problemen in der E-Mobilität.

Einer Befragung der Unternehmensberatung PwC unter deutschen und österreichischen Energieversorgern zur Bedeutung der Elektromobilität zufolge, sind bereits mehr als 80 Prozent der Energieversorgungsunternehmen (EVUs) in diesem Bereich tätig oder planen einen zeitnahen Einstieg. Auch wenn derzeit Fahrzeuge mit Elektroantrieb nur einen geringen Anteil auf deutschen Straßen ausmachen, sollte das nicht darüber hinwegtäuschen, dass hohe zweistellige Zuwachsraten im vergangenen Jahr die Richtung vorgeben.

Technische Weiterentwicklungen treiben den Trend voran

Durch die stetige Weiterentwicklung der Batterien, steigende Reichweiten, immer neue Modelle, sinkende Herstellungskosten und staatliche Subventionen ist in den kommenden Jahren mit einem Aufschwung auf diesem Markt zu rechnen. Nicht umsonst sehen 95 Prozent der befragten Unternehmen die E-Mobilität als wichtigen und wachsenden Trend.

Ein wesentliches Thema ist dabei weiterhin die Ladeinfrastruktur. „Auch wenn die Lage sich schon sehr verbessert hat, muss der Fahrer eines Elektrofahrzeugs momentan in Deutschland seinen Weg von A nach B bei längeren Strecken noch genauestens planen, um von einer passenden Stromtankstelle zur nächsten zu kommen. Dabei muss er immer noch einen Puffer einrechnen, damit ihm ein Stau nicht zum Verhängnis wird. Das ist momentan noch einer der ganz großen Hemmschuhe, die viele Menschen vom Umstieg auf ein Elektrofahrzeug abhält“, erklärt Dietrich Sümmermann, Mitgründer von Share&Charge. „Hier sind die EVUs gefragt, denen dabei in erster Linie die Rolle des Ladesäulenbetreibers zukommt. Mehr als Dreiviertel der EVUs haben bereits Ladestationen installiert und betreiben diese selbstständig. Auch die Automobilkonzerne bündeln nun ihre Kräfte in dem gemeinsamen Unternehmen Ionity mit dem Schwerpunkt auf schnellem Laden an Autobahnen.“

Die Studie beschreibt jedoch auch die Probleme der fehlenden Wirtschaftlichkeit. Während die ersten Ladesäulen hauptsächlich „Imageprojekte“ waren, sagen nun 60% der EVUs, dass sie aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit keine weiteren Investitionen vornehmen wollen.

Auch Dietrich Sümmermann gibt zu bedenken: „Der reine Verkauf von Strom an den Ladesäulen wird auch mit steigender Anzahl von Elektroautos kein sehr profitables Geschäft, weil auch die Preissensititvität der Fahrer weiter steigen und die Auswahl größer werden wird. Einzig das Schnellladen als Premiumservice kann hier eine interessante Option sein. Daher stellt sich die Frage, welche weiteren Dienstleistungen Ladesäulenbetreiber zusätzlich anbieten können.“

EVUs können und müssen mehr als nur Ladestationen managen

Die Studie weist ebenfalls darauf hin, dass die Auswirkungen des Marktwachstums auf die Stromnetze analysiert werden sollten. Was sich heute als Problem darstellt, sieht Sümmermann auch als spannende Möglichkeit für Stromversorger und Netzbetreiber, um neue Services anzubieten. „Die schlaue Nutzung der Batteriekapazität von Elektrofahrzeugen für das Stromnetz ist eine Zukunftsvision, die wir aber schnellstmöglich angehen müssen.“, so Sümmermann. „Es gibt vielversprechende erste Projekte, aber wir sehen sowohl Probleme auf Batterietechnikebene, als auch auf regulatorischer. Bislang gibt es noch nicht genügend Anreize für Endkunden, auch wenn der Wert volkswirtschaftlich gegeben ist. Hier liegt eine große Chance für die EVUs und Netzbetreiber mehr als nur Strom anzubieten. Wie auch im heutigen Energiemarkt liegt der Wert in der Flexibilität.“

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Interoperabiltiät zwischen Autos und Ladesäulen, sowohl im öffentlichen Raum als auch zu Hause und beim Arbeitgeber, um einfaches Laden und eine gute Anbindung an die Stromnetze zu ermöglichen. „Der Faktor Interoperabilität wird künftig noch weiter in den Fokus der Anbieter treten, denn nur so wird sich die Technik auf Dauer durchsetzen können. Wer will schon dutzende unterschiedliche Apps und Kundenkonten mit sich herumschleppen, nur um auf dem Weg von Hamburg nach München auch tatsächlich überall laden zu können? Das muss sich schnellstmöglich ändern und daher brauchen wir für die Abwicklung von Transaktionen einen gemeinsamen Standard. In unseren Augen ist die Blockchain-Technologie ein Instrument, das genau das leisten kann“, fasst er zusammen.

Befragung der Unternehmensberatung PwC:
www.pwc.de/de/energiewirtschaft/pwc-studie-e-mobilitaet.pdf