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Versorgungssicherheit: Logistikflächen gewinnen an Bedeutung

Strategien zur Regionalisierung gewinnen an Bedeutung

Durch die anhaltende Materialknappheit sowie den zunehmenden Personalmangel im Wirtschaftsbereich Logistik stehen die globalen Waren- und Lieferketten stark unter Druck. Entsprechend gewinnen Strategien zur Regionalisierung und dem Ausbau lokaler Bevorratungsstrukturen immer mehr an Bedeutung. Hierbei spielen Logistikimmobilien in Form von Lager-, Umschlags- und Distributionszentren eine ganz wesentliche Rolle. Sie dienen innerhalb der Supply Chain der Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit sowie der wirtschaftlichen Stabilität und des Wachstums. Um dieser Funktion gerecht werden zu können, braucht es bei Ansiedlungsvorhaben von Logistikimmobilien in der breiten öffentlichen Wahrnehmung allerdings mehr Akzeptanz. 
 
Die Nachwirkungen der Corona-Pandemie sowie die anhaltende Personalknappheit im Wirtschaftsbereich Logistik stellen die internationalen Waren- und Lieferketten vor große Herausforderungen. Im Vereinigten Königreich sind Tankstellen landesweit von einer Treibstoffknappheit betroffen, da aktuell bis zu 100.000 Lkw-Fahrer*Innen fehlen. In vielen Supermärkten fehlt es an Ware, Milchbauern bleiben auf ihrer Milch sitzen, Möbelhäusern fehlen Matratzen und in Kläranlagen mangelt es an wichtigen Chemikalien. 
 
Auch in Deutschland sind viele Unternehmen branchenübergreifend vom Wandel der Lieferstrukturen und dem damit einhergehenden Mangel an Rohstoffen und Bauteilen betroffen. Die Engpässe betreffen Vorprodukte wie Stahl, Kunststoffe oder Mikrochips, aber auch Rohstoffe wie Holz. Besonders der Mangel an Chips macht Unternehmen zu schaffen. Laut aktueller Umfrage des Ifo-Instituts kommen vier von fünf Hersteller von Elektro-Produkten mit der Fertigung nicht hinterher – der höchste bisher vom Ifo-Institut ermittelte Wert. Der Haushaltsgeräte-Hersteller Miele sowie die Autobauer Volkswagen, Daimler und BMW verordneten Kurzarbeit, Opel musste bereits ein Produktionswerk in Deutschland schließen. Die wirtschaftlichen Schäden der Materialknappheit machen sich auch volkswirtschaftlich bemerkbar: So korrigierte das Ifo-Institut jüngst seine Konjunkturprognose für das laufende Jahr aufgrund der Engpässe um 0,4 Prozent nach unten. 
 
Vielerorts reagieren Unternehmen mit einem Ausbau der heimischen Produktions- und/oder Bevorratungsstrukturen. Solche „Local Sourcing“-Strategien sind vor allem im Bereich der Halbleiter-Industrie gefragt, betreffen aber auch andere Branchen, um eine künftige Versorgungssicherheit auch in Krisenfällen gewährleisten zu können. 
 
„Die Disruptionen bei den Lieferketten sowie die Knappheit an Vorprodukten erfordern eine zusätzliche Lagerhaltung sowie eine höhere Anzahl an Zulieferern, am besten in der Nähe des eigenen Standortes und in geografisch unterschiedlichen Regionen. Zudem ist die heimische Produktion besser zu kontrollieren als in Schwellenländern mit zunehmenden Problemen wie Zöllen, Währungsschwankungen, Bürokratie sowie mangelnder Planungs- und Rechtssicherheit“, erklärt Rainer Koepke, Managing Director sowie Head of Industrial & Logistics Germany bei CBRE. 
 
Eine solche Umstrukturierung der Supply Chains mit einer Abkehr vom bislang vorherrschenden „Just-in-time“-Prinzip hat spürbare Auswirkungen auf die Logistikimmobilien-Wirtschaft. Denn ein Ausbau der regionalen Bevorratung bedeutet eine erhöhte Nachfrage nach Lager- und Logistikflächen, auf denen Güter und Produkte gelagert und verarbeitet werden. 
 
„Durch die Frachtkostenexplosion, die höheren Risiken und die Angleichung der Lohnkosten lohnt sich eine weit entfernte Produktion immer weniger. Daraus ergeben sich Potenziale insbesondere für Logistikdienstleister, indem sie neben Lager- auch Montage- oder Produktionsschritte übernehmen und diese vor Ort in der Nähe der Kunden anbieten. Dies wird einen Nachfrageschub geben nach Logistik-Dienstleistungen und -Flächen“, sagt Prof. Dr. Christian Kille von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt FHWS. 
 
„Die Situation der Logistik hat sich in den letzten zwei Jahren enorm verändert. Internationale Lieferketten, über Jahre aufgebaut und etabliert, haben auch durch die Corona-Pandemie an Stabilität verloren. Warenknappheit, Lieferengpässe und, damit einhergehend, Produktionsausfälle, sind die Folge. Natürlich führt dies bei vielen Unternehmen zu einem Hinterfragen der Logistikstrategie. Gerade die internationalen Supply Chains stehen auf dem Prüfstand, doch unser Handel ist und bleibt nun mal global. Und so wird der Bedarf an sogenannten regionalen Pufferlagern zum Ausgleich von Lieferschwankungen weiter ansteigen", bestätigt Kuno Neumeier, CEO der Logivest Gruppe.
 
Dennoch ringt die Logistikimmobilien-Wirtschaft mit einer Vielzahl an Herausforderungen, die einen raschen Flächenausbau bremsen. Zum einen kämpfen Projektentwickler und Nutzer mit einem landesweiten, akuten Grundstücksmangel, allem voran in den strategisch wichtigen Städten und Ballungszentren. Zudem stoßen Logistikimmobilien und Ansiedlungsvorhaben nach wie vor auf Vorbehalte in den Kommunen sowie bei der Bevölkerung. 
 
Um dieser Problematik zu begegnen, setzt sich die Initiative Logistikimmobilien (Logix) für eine Erhöhung des Stellenwertes sowie der Akzeptanz von Logistikimmobilien in Fachkreisen und in der breiten Öffentlichkeit ein. Neben der Vergabe des Logix Award für die beste Logistikimmobilien-Entwicklung der vergangenen zwei Jahre engagiert sie sich in Form der Forschungs- und Publikationsarbeit sowie mit einem proaktiven Dialog mit den Kommunen. 
 
„Logistikimmobilien sind zentraler Bestandteil einer funktionieren Wirtschaft und für die Versorgung der Bevölkerung. Die jüngsten Entwicklungen rund um die Corona-Krise, den Brexit und die Arbeitskräfteknappheit haben diese Bedeutung noch einmal bestätigt. Um auch in Zukunft die Versorgungssicherheit gewährleisten zu können, wird an einem Ausbau der Logistikflächen kein Weg vorbeiführen. Hier ist auch die Politik gefragt, den Ausbau der Logistikinfrastruktur zu unterstützen“, sagt Dr. Malte-Maria Münchow, Sprecher der Initiative Logistikimmobilien (Logix) sowie Leitung An- und Verkauf Spezialimmobilien, Deka Immobilien Investment GmbH. 
 
In 2021 engagierte sich die Logix Initiative für die vom Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) herausgegebene Studie „Logistik in der Kommune“. Dafür hatte der DStGB gemeinsam mit Logix eine Umfrage unter Kommunen deutschlandweit zu ihrer Sicht auf Logistik durchgeführt. Mit ihren eigenen Veröffentlichungen stellt die Logix Initiative Grundlagen-Arbeiten rund um Logistikimmobilien zur Verfügung und greift aktuelle Themen wie z. B. den Klimawandel auf.