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Unternehmen mit eigener Forschung und Entwicklung dominieren das Innovationsgeschehen, Hemmnisse nehmen zu

Analyse der Innovationsaktivitäten im Mittelstand

  • Kleine und mittlere Unternehmen steuern ein Drittel der Innovationsleistung der deutschen Wirtschaft bei
  • Anteil von nicht innovativen Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren um zehn Prozentpunkte gestiegen
  • Fachkräftemangel und hohe Kosten: Innovationshemmnisse haben in den vergangenen knapp 20 Jahren deutlich zugenommen

Im Innovationssystem Deutschland spielen kleine und mittelgroße Unternehmen eine nicht unerhebliche Rolle. Zwar liegt in der deutschen Wirtschaft das Gros der Innovationsaktivitäten bei den Großunternehmen, dennoch stehen mittelständische Unternehmen immerhin für 32 % der Ausgaben für Innovationen und 35 % für Forschung und Entwicklung. Eine von KfW Research in Auftrag gegeben Studie analysiert die langfristige Entwicklung von Strukturen, Erfolgsfaktoren und Hemmnissen bei den Innovationsaktivitäten mittelständischen Unternehmen.
 
Das Innovationsgeschehen im Mittelstand wird danach von Unternehmen geprägt, die kontinuierlich Forschung und Entwicklung (FuE) betrieben. Diese machen mit 12 % nur eine kleine Gruppe unter den mittelständischen Unternehmen aus und verfolgen im Unterschied zu den übrigen in der Studie definierten fünf Unternehmenstypen besonders anspruchsvolle Wettbewerbs- und Innovationsstrategien, in denen die Entwicklung neuer Produkte und die Erschließung neuer Märkte feste Bestandteile sind. Außerdem investieren diese Unternehmen am meisten in ihre Innovationsaktivitäten, erzielen das Gros der Innovationserfolge und weisen, etwa gemessen an der Umsatzrendite, die höchste Unternehmensperformance auf. So stehen Unternehmen mit regelmäßiger FuE für über zwei Drittel der mittelständischen Innovationsausgaben, mehr als die Hälfte des Umsatzes mit Produktinnovationen und 43 % der Kosteneinsparungen durch Prozessinnovationen.
 
Mittelständische innovative Unternehmen ohne eigene FuE bilden demgegenüber mit zuletzt 37 % eine nahezu dreimal so große Gruppe. Ihre Innovationsstrategien sind weniger anspruchsvoll und ihre Innovationsanstrengungen entsprechend weniger stark ausgeprägt. Insgesamt fallen auch ihre Innovationserfolge deutlich schwächer als jene der FuE treibenden Unternehmen. Dennoch ist ihr Anteil an dem mit Produktinnovationen erzielten Umsatz sowie der Kostenreduktion durch Prozessinnovationen mit 34 bzw. 42 % bedeutend und hat im betrachteten Zeitraum sogar noch zugenommen.
 
Die Studie bestätigt die seit Jahren nachlassende Innovationstätigkeit im deutschen Mittelstand. Danach hat der Anteil der Unternehmen, die keine Innovationen hervorgebracht haben, im betrachteten Zehnjahreszeitraum von 32 % auf 42 % deutlich zugenommen. Vor allem Unternehmen ohne eigene FuE haben ihre Innovationsanstrengungen eingestellt. Ebenfalls erheblich gestiegen ist der Anteil der mittelständischen Unternehmen, die sich mit Innovationshemmnissen konfrontiert sehen. Der Mangel an Fachpersonal und hohe Kosten sind die am meisten genannten Hemmnisse. Die Betroffenheit sinkt von der Gruppe der kontinuierlich FuE treibenden Unternehmen bis zu den Unternehmen ohne Innovationsorientierung. Außerdem nennen die Unternehmen Gesetze und Regulierungen oft als Innovationshemmnisse.
 
Insgesamt unterstreichen diese Ergebnisse, dass Unternehmen mit einer hohen Innovationsorientierung – und darunter insbesondere die FuE treibenden Unternehmen – häufiger Produktmarktneuheiten hervorbringen und Kostensenkungen erzielen als andere Unternehmen. Dies schlägt sich auch positiv in den Kennziffern für die Unternehmensperformance nieder, wie der Umsatzrendite oder dem Erfolg auf ausländischen Märkten. So erzielen Unternehmen mit kontinuierlicher FuE im Durchschnitt eine Umsatzrendite von 5,4 %, während Unternehmen ohne Innovationsorientierung auf einen Wert von 4,2 % kommen.
 
Die Chefvolkswirtin der KfW, Dr. Fritzi Köhler-Geib, kommentiert die Ergebnisse der Studie wie folgt: „Die Innovationskraft des deutschen Mittelstands ist insgesamt weiterhin hoch, konzentriert sich aber auf immer weniger Unternehmen. Für die Dynamik der Volkswirtschaft ist aber gerade zentral, dass der Mittelstand in der Breite wieder mehr Innovationen hervorbringt. Dabei kommt der Linderung des Mangels an Fachpersonal eine besondere Rolle zu. Außerdem gilt es, umfassende Anreize für den Aufbau oder den dauerhaften Erhalt von Forschungs- und Entwicklungs-Kompetenzen in den Unternehmen zu setzen. Die Innovationsförderung muss deshalb neben den Vorreiter-Unternehmen auch Innovationen in der Breite des Mittelstands unterstützen. Dazu muss beispielsweise der Erwerb von strategischen Fähigkeiten und Kenntnisse zum Innovationsmanagement in der Berufsausbildung verstärkt werden.“