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Wie das Vereinigte Königreich den harten Brexit aufweichen kann

Völliger Verzicht auf Importzölle

Das ifo Institut hat ausgerechnet, wie das Vereinigte Königreich die negativen wirtschaftlichen Folgen eines harten Brexits so klein wie möglich halten kann: indem es nach dem 29. März einseitig völlig auf Importzölle verzichtet. „Das wäre ein sehr smarter Trick der britischen Regierung“, sagt Gabriel Felbermayr, Leiter des ifo Zentrums für Außenwirtschaft. „Ohne britische Importzölle würde der Konsum im Königreich nur um 0,5 Prozent zurückgehen, wesentlich weniger als bei einem harten Brexit mit Importzöllen à la Welthandelsorganisation (WTO). Da würde der Konsum schrumpfen um 2,8 Prozent. Bei umfassenden Freihandelsabkommen mit vielen Ländern à la Global Britain würde der Konsum immer noch um 1,4 Prozent sinken.“ Die britische Premierministerin Theresa May wollte am Donnerstag zu Gesprächen mit der EU nach Brüssel reisen.

„Gerade bei Nahrungsmitteln käme es bei WTO-Zöllen zu extremen Preiseffekten, vermutlich in der Größenordnung von 12 bis 15 Prozent, ähnlich bei Autos, Textilien und Schuhen“, sagt Felbermayr weiter. „Ob das für die britische Regierung innenpolitisch so günstig ist, ist fraglich.“ Es sei ohnehin die Frage, ob Großbritannien überhaupt technisch in der Lage sei, umfassende Zollkontrollen auf seine hohen Importe umzusetzen. 

Das Land ersparte sich mit einer Hard-but-Smart-Strategie, 68 Prozent seiner Importe, die aus der EU oder aus Ländern mit Freihandelsabkommen stammen, mit teils sehr hohen neuen Zöllen zu belasten. Der politische Preis dafür wäre, auch den Rest der Importe zollfrei stellen zu müssen, der nicht aus der EU oder aus Ländern mit Freihandelsabkommen stammt. Dies betreffe insbesondere China und die USA. „Das mag Probleme in einigen Branchen bringen; aber die plötzliche Erhebung von Zöllen auf mehr als zwei Dritteln der Importe erzeugt für die britische Regierung mit Sicherheit höhere Kosten als der Verzicht auf Zölle auf weniger als ein Drittel“, sagt Felbermayr.