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Pessimismus springt auf Mittelstand über

KfW-ifo-Mittelstandsbarometer

  • Einbrechende Erwartungen ziehen mittelständisches Geschäftsklima nach unten, Lageurteile weiter gut
  • Massive Stimmungsverschlechterung in Großunternehmen
  • Konjunktur startet schwach in das neue Jahr

Der deutsche Mittelstand sorgt sich zunehmend um die konjunkturelle Entwicklung: Das Geschäftsklima der kleinen und mittleren Unternehmen gibt im Januar um deutliche 3,0 Zähler auf 8,3 Saldenpunkte nach, wie das aktuelle KfW-ifo-Mittelstandsbarometer zeigt. Ursächlich für den Rückgang ist ausschließlich der erheblich trübere Blick der Mittelständler auf das vorausliegende Halbjahr: Ihre Geschäftserwartungen fallen um kräftige 5,5 Zähler und rutschen mit nun -6,9 Saldenpunkten tiefer unter die Nulllinie, die für den langfristigen Durchschnitt steht. Mit der aktuellen Geschäftslage hingegen sind die kleinen und mittleren Unternehmen weiter überaus zufrieden. Ihr Lageindikator hält sich unverändert bei ausgezeichneten 25,1 Saldenpunkten und damit auf dem bereits vor rund anderthalb Jahren erklommenen Hochplateau.
 
Noch ausgeprägter sind die Konjunktursorgen zurzeit allerdings in den Großunternehmen, wo die Stimmung zu Jahresbeginn regelrecht kollabiert: Ihr Geschäftsklima verliert 5,6 Zähler auf nun nur noch 0,6 Saldenpunkte – die aktuelle Stimmung ist also kaum noch besser als im langfristigen Durchschnitt. Die Geschäftslageurteile der großen Firmen verschlechtern sich dabei vergleichsweise moderat um 2,7 Zähler auf 12,3 Saldenpunkte. Ihre Erwartungen jedoch stürzen mit -8,0 Zählern auf jetzt -10,1 Saldenpunkte geradezu ab.
 
Die maßgeblichen Konjunktursorgen kommen – auch das zeigt das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer sehr klar – aus dem internationalen Umfeld. Die zunehmende Sorge um einen „no-deal Brexit“ nach der unerwartet deutlichen Ablehnung des mühsam mit der EU ausgehandelten Austrittsvertrags durch das britische Parlament ist dabei bei weitem nicht der einzige, zurzeit aber wohl der prominenteste Faktor. Großbritannien ist das Ziel von gut sechs Prozent der deutschen Exporte und damit Deutschlands fünftwichtigster ausländischer Markt. Doch auch die konjunkturellen Aussichten in China und den USA sind zunehmend unsicher und die Spannungen in den globalen Handelsbeziehungen nicht vom Tisch. Der Pessimismus, der die großen exportorientierten Unternehmen schon länger prägt, springt nun auf die Mittelständler über.
 
Im Januar zeigt das lange durchweg positive Branchenbild mit überdurchschnittlichen Geschäftsklimaresultaten in allen Hauptwirtschaftsbereichen und Größenklassen folglich erhebliche Kratzer. Besonders deutlich sind die Rückgänge beim Verarbeitenden Gewerbe und Großhandel, die beide stark in die globale Wirtschaft integriert sind und internationale Belastungen deshalb besonders intensiv spüren. Bei den großen Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes (-5,3 Zähler auf - 3,1 Saldenpunkte) und des Großhandels (- 13,6 Zähler auf - 7,2 Saldenpunkte) fällt das Geschäftsklima klar in den negativen Bereich. Aber auch die Mittelständler dieser beiden Wirtschaftssegmente melden deutliche Rückgänge des Geschäftsklimas (Verarbeitendes Gewerbe: -4,4 auf 2,3 Saldenpunkte; Großhandel: -5,0 auf 2,0 Saldenpunkte). Zudem verfestigt sich die negative Stimmungstendenz bei den großen Einzelhändlern, unter denen sich vergleichsweise viele Autohändler befinden - ein Indiz, dass die Folgeprobleme der Einführung des neuen Abgasteststandards WLTP zum 1. September vergangenen Jahres doch zäher sein könnten als ursprünglich gedacht. Der Rückgang des Geschäftsklimas bei den Baufirmen beider Größenklassen hingegen dürfte in der außergewöhnlich kalten Winterwitterung begründet und vorübergehend sein.
 
„Die Januar-Ergebnisse des KfW-ifo-Mittelstandsbarometers sind ein deutliches Warnsignal. Positiv stechen einzig die stabil guten Geschäftslageurteile des Mittelstands hervor“, sagt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW. Die mehrheitlich stark auf den heimischen Markt ausgerichteten kleinen und mittleren Unternehmen profitierten dabei von der wachsenden Beschäftigung, steigenden Reallöhnen, niedrigen Zinsen und einer expansiven Fiskalpolitik. „Diese weiterhin sehr soliden Rahmenbedingungen für die Binnennachfrage sollten verhindern, dass das deutsche Wachstum 2019 vollständig zum Stillstand kommt. Allerdings schaltet die Konjunktur zwei Gänge zurück, das deutsche Realwachstum dürfte sich im Gesamtjahr 2019 in der Nähe der Ein-Prozent-Marke bewegen“, so Zeuner.