Einzelhandel: Lage und Erwartungen günstiger

ifo Konjunkturperspektiven Nr. 12/2011

I.
Der Geschäftsklimaindikator für den Einzelhandel ist im Dezember gestiegen. Den Angaben der Umfrageteilnehmer zufolge stellte sich die derzeitige Geschäftslage erneut günstiger dar als im Vormonat. Auch die Aussichten für das kommende halbe Jahr haben sich wieder aufgehellt. Trotz leicht vergrößerter Lagerüberhänge planten die Unternehmen, sich bei den Bestellungen in naher Zukunft weniger zurückzuhalten. Anhebungen der Verkaufspreise sind für die kommenden Monate nicht mehr so häufig vorgesehen.

II.
Im Gebrauchsgüterbereich fielen die Firmenmeldungen zur momentanen Geschäftssituation günstiger aus als im November.
Auch die Geschäftsperspektiven wurden nicht mehr so zurückhaltend bewertet. Die Bestellpläne für die kommenden Monate waren seltener auf Kürzungen ausgerichtet.
Den Personalstand wollten die Betriebe in den kommenden Monaten aber nicht mehr ausweiten. Im Einzelhandel mit Möbeln, Einrichtungsgegenständen und Hausrat hat sich das Geschäftsklima aufgehellt. Die Unternehmen hatten weniger an ihrer gegenwärtigen Situation auszusetzen.
Die Skepsis hinsichtlich des zukünftigen Geschäftsverlaufs hat ebenfalls weiter nachgelassen. Im Bereich Metallwaren, Bau- und Heimwerkerbedarf hat der Geschäftsklimaindikator nachgegeben, da die aktuelle Lage als nicht mehr ganz so gut beurteilt wurde wie zuletzt. Auch die Geschäftsaussichten erschienen den Testteilnehmern ungünstiger. Die Mitarbeiterzahl soll dennoch weiter vergrößert werden. Im Elektroeinzelhandel klarte das Geschäftsklima für den Teilbereich weiße Ware auf. Angesichts gesunkenen Lagerdrucks waren die Unternehmen wieder zufriedener mit ihrer derzeitigen Geschäftslage. Bei den Geschäftserwartungen hat sich die Skepsis in leichten Optimismus gewandelt. In der Sparte Unterhaltungselektronik trübte sich das Geschäftsklima dagegen sichtlich ein. Bezüglich der momentanen Geschäftssituation fielen die Meldungen negativ aus, nachdem sie im Vormonat noch sehr
günstig waren. Der Bestand an unverkauften Waren wurde wieder häufiger als zu groß bewertet. Im Einzelhandel mit Computern, Hard- und Software gab der Geschäftsklimaindikator aufgrund weniger positiver Lageurteile und weiter eingetrübter Geschäftsaussichten nach. Der Lagerdruck hat erheblich zugenommen. Die Zahl der Beschäftigten soll den Testergebnissen zufolge nicht weiter vergrößert werden.
Im Bereich Uhren, Schmuck und Edelmetallwaren zeigten sich die Unternehmen trotz deutlich vergrößerter Lagerüberhänge
zufriedener mit ihrer gegenwärtigen Situation.
Auch den kommenden Monaten sahen sie wieder optimistischer entgegen. Ihre Orderpolitik wollten die Betriebe in naher Zukunft dennoch sehr restriktiv gestalten.

III.
Das Geschäftsklima im Verbrauchsgüterbereich hat sich etwas abgekühlt, da die Befragungsteilnehmer die aktuelle Lage sowie die Geschäftsperspektiven für das kommende halbe Jahr negativer bewerteten. Die Lagerbestände wurden wieder häufiger als zu groß eingestuft. In naher Zukunft sind Preissteigerungen nicht mehr so zahlreich vorgesehen. Aufgehellt hat sich das Geschäftsklima im Bereich Textilien und Bekleidung. Dazu führten vor allem die deutlich weniger pessimistischen Geschäftserwartungen der Unternehmen.
Die Orderpläne der Betriebe waren weiterhin stark auf Zurückhaltung ausgerichtet, wenn auch nicht mehr ganz so sehr wie zuletzt. Im Schuheinzelhandel hat sich das Geschäftsklima verschlechtert. Wieder zunehmende negative Einflüsse auf die Beurteilung der Geschäftslage gaben dafür den Ausschlag. Die Bestellvolumina sollen in den kommenden Monaten deutlich verringert werden. Der Geschäftsklimaindikator im Bereich Sport- und Campingartikel hat beträchtlich nachgegeben, da die Firmenmeldungen zu Lage und Erwartungen wesentlich ungünstiger ausfielen. Der überwiegende Teil der Testteilnehmer beabsichtigte dennoch, die Verkaufspreise zu erhöhen. Die Bestelltätigkeit dürfte merklich eingeschränkt werden. Im Einzelhandel mit Schreib- und Papierwaren, Schul- und Büroartikeln bewerteten die Unternehmen ihre derzeitige Lage als hervorragend.
Auch der zukünftigen Geschäftsentwicklung sahen sie überaus optimistisch entgegen. Sie beabsichtigten, die Bestellmengen spürbar zu vergrößern.

IV.
Im Kfz-Einzelhandel ließen die Firmenmeldungen wieder größere Zufriedenheit mit der momentanen Geschäftssituation erkennen. Auch die skeptischen Meldungen zu den Geschäftserwartungen haben etwas nachgelassen. Der Mitarbeiterstamm soll dennoch verkleinert werden. Die Verkaufspreise dürften in den kommenden Monaten stabil bleiben.
Im Neuwagengeschäft führten erheblich positivere Lageurteile zu einer Verbesserung des Geschäftsklimas. Für die kommenden Monate zeigten sich die Betriebe nicht mehr so pessimistisch. Das Geschäftsklima im Gebrauchtwagengeschäft hat sich dagegen eingetrübt. Dafür war ausschließlich die negativere Einschätzung der Perspektiven verantwortlich. Der Bestand an unverkauften Gebrauchtwagen wurde zunehmend als zu groß eingestuft. Im Einzelhandel mit Kraftwagenteilen und -zubehör klarte das Geschäftsklima leicht auf. Der beträchtlichen Aufhellung der Geschäftsaussichten stand eine verschlechterte Geschäftslage gegenüber. Hier gewannen angesichts eines kräftigen Lageraufbaus die negativen Angaben deutlich die Oberhand.

V.
Das Geschäftsklima im Nahrungs- und Genussmitteleinzelhandel hat sich im Dezember erheblich verbessert. Die momentane Situation wurde sehr günstig bewertet, und auch dem Geschäftsverlauf in den kommenden Monaten sahen die Unternehmen wieder merklich zuversichtlicher entgegen. Sie planten, die Bestellvolumina deutlich auszuweiten.

Exkurs: Einzelhandel (Ost)
In den neuen Bundesländern blieb das Geschäftsklima im Einzelhandel gegenüber dem Vormonat weitgehend unverändert.
Während die aktuelle Geschäftslage wieder etwas günstiger beurteilt wurde, fielen die Geschäftserwartungen für das kommende halbe Jahr skeptischer aus. Die Lagerbestände wurden häufiger als zu groß eingestuft.