Großhandel: Verbessertes Geschäftsklima

ifo Konjunkturperspektiven Nr. 12/2011

I.
Das Geschäftsklima im Großhandel hat sich im Dezember erneut verbessert. Die Unternehmen bewerteten ihre Situation zunehmend als gut. Bei lebhafter Nachfrage hat der Lagerdruck weiter nachgelassen. Die Erwartungen der Großhändler waren etwas häufiger von Zuversicht geprägt als im November. Angesichts günstiger Perspektiven sahen ihre Pläne für die kommenden drei Monate höhere Bestellungen vor als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Auch die Beschäftigtenpläne waren auf Expansion ausgerichtet. Die Testteilnehmer rechneten vermehrt mit Spielräumen für Preisanhebungen.

II.
Der Produktionsverbindungshandel beurteilte die aktuelle Situation zunehmend positiv. Hinsichtlich der weiteren Entwicklung rechneten die Unternehmen mit keiner wesentlichen Veränderung. Im Großhandel mit Eisen, Stahl, Eisenund Stahlhalbzeug verbesserte sich die Geschäftslage sprunghaft, im Dezember hatten die positiven Urteile ein leichtes Übergewicht. Der Lagerdruck ließ nach. Die Perspektiven haben sich nach der Eintrübung im November zwar wieder aufgehellt, die pessimistischen Einschätzungen überwogen aber auch im Berichtsmonat. Dementsprechend wollten die Unternehmen geringere Bestellungen platzieren als vor Jahresfrist. Sie beabsichtigten außerdem, die Zahl der Beschäftigten zu verringern. Nach der deutlichen Verbesserung im November bewertete der Großhandel mit NE-Metallen und NE-Metallhalbzeug seine Geschäftslage im Dezember
wieder etwas weniger häufig als gut. Nach Auffassung der Unternehmen wird die Abwärtsentwicklung in den nächsten Monaten anhalten. Ihre Pläne sahen für das erste Quartal 2012 geringere Bestellungen vor als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Im Chemiehandel dominierten die positiven Urteile zur Geschäftslage ähnlich wie im November.
Der Lagerdruck verringerte sich. Da die Unternehmen ihre nahe Zukunft außerdem vermehrt zuversichtlich einschätzten, haben sie ihre Orderpläne erneut nach oben korrigiert.
Diese deuten darauf hin, dass in den kommenden drei Monaten wesentlich höhere Bestellungen platziert werden als vor einem Jahr. Die Firmen rechneten zunehmend damit, Preisanhebungen durchsetzen zu können. Der Großhandel mit Maschinen, Ausrüstungen und Zubehör berichtete wieder häufiger über eine gute Lage. Bei lebhafter Nachfrage gelang es einem Teil der Unternehmen, zu hohe Warenbestände abzubauen. Angesichts vermehrt positiv bewerteter Aussichten planten die Unternehmen höhere Bestellungen als im Vorjahr und wollten den Personalstand ausweiten.
In allen baunahen Großhandelssparten wurde die Geschäftslage häufiger als im Vormonat positiv bewertet. Eine Verbesserung fand vor allem im Großhandel mit Installationsbedarf für Gas, Wasser und Heizung sowie im Großhandel mit Elektroinstallationszubehör statt. Etwas weniger stark war sie im Großhandel mit Holz, Baustoffen, Anstrichmitteln und Sanitärkeramik. Hinsichtlich der weiteren
Geschäftsentwicklung ging lediglich der Elektrogroßhandel von einer Abschwächung aus, die Firmen der beiden anderen Sparten rechneten überwiegend mit einer Belebung.

III.
Im Konsumgütergroßhandel verbesserte sich die Geschäftslage wieder. Nach Auffassung der Unternehmen wird die moderate Aufwärtsentwicklung in den kommenden Monaten anhalten.
Die Großhändler des Gebrauchsgüterbereichs berichteten etwas häufiger über eine gute Lage als im November und ihre Aussichten haben sich deutlich aufgehellt. Sie rechneten nun mit einer Belebung, nachdem in den beiden vorangegangenen Monaten die negativen Erwartungen überwogen.
Im Großhandel mit elektrischen Haushaltsgeräten, Lampen und Leuchten verbesserte sich die Geschäftslage bei reger Nachfrage und der Lagerdruck ließ nach. Der nahen Zukunft sahen die Unternehmen jedoch mit wachsender Skepsis entgegen. Im Großhandel mit Unterhaltungselektronik gewannen die positiven Urteile zur Geschäftslage wieder die Oberhand. Die Firmen gingen von einer anhaltenden Aufwärtsentwicklung aus und sahen Chancen, die Verkaufspreise anheben zu können. Die lebhafte Nachfrage, abnehmende Lagerbestände und günstige Perspektiven dürften die Großhändler dieser Sparte ermutigt haben, ihre Orderpläne nach oben zu korrigieren. Die Firmenpläne sahen außerdem eine Erhöhung des Personalstands vor. Der Großhandel mit Haushaltswaren, Glaswaren und keramischen Erzeugnissen berichtete nach der deutlichen Verschlechterung im November wieder etwas häufiger über eine gute Geschäftslage. Die Unternehmen erwarteten eine weitere Belebung und sahen Spielräume für Preiserhöhungen.
Trotz der günstigen Aussichten wollten sie bei der Bestellvergabe – angesichts vermehrt als zu hoch empfundener Lagerbestände – Zurückhaltung üben.
Im Verbrauchsgüterbereich gewannen im Dezember die positiven Urteile zur Geschäftslage an Bedeutung. Der zukünftigen Entwicklung sahen die Firmen allerdings mit nachlassender Zuversicht entgegen. Die Großhändler mit Bekleidung bewerteten ihre Geschäftslage wesentlich günstiger als in den beiden vorangegangenen Monaten. Für die kommenden Monate rechneten sie mit keiner wesentlichen Veränderung.
Der Schuhgroßhandel berichtete nur noch vereinzelt über eine gute Lage und erwartete eine Fortsetzung der Abwärtsentwicklung. Der Großhandel mit kosmetischen Erzeugnissen und Körperpflegemitteln bewertete die Geschäftslage noch günstiger als im November. Angesichts einer regen Nachfrage kam es zu Lieferengpässen. Da die Unternehmen außerdem eine Verbesserung der Geschäftslage
erwarteten, korrigierten sie ihre Bestellpläne nach oben.
Die Großhändler mit pharmazeutischen, medizinischen und orthopädischen Erzeugnissen sahen ihre aktuelle Situation nicht mehr ganz so positiv wie in den zurückliegenden Monaten.
Die Testteilnehmer erwarteten vermehrt eine Geschäftsbelebung und beabsichtigten, in den nächsten Monaten höhere Order zu vergeben als vor einem Jahr.
Der Großhandel mit Nahrungs- und Genussmitteln beurteilte seine Geschäftslage weniger oft positiv. Die Firmen rechneten kaum mit Impulsen und korrigierten ihre Bestellpläne nach unten.

Exkurs: Großhandel (Ost)
Das Geschäftsklima im ostdeutschen Großhandel hat sich im Dezember weiter verbessert. Die beiden Komponenten dieses Indikators entwickelten sich jedoch unterschiedlich. Die Unternehmen bewerteten die aktuelle Geschäftslage etwas weniger positiv als im November, die Skepsis hinsichtlich der weiteren Entwicklung verringerte sich jedoch deutlich. Dennoch wollten sie bei der Bestellvergabe in den nächs ten Monaten Zurückhaltung üben. Ihre Pläne sahen außerdem eine allenfalls leichte Zunahme des Beschäftigtenstands vor. Die ostdeutschen Großhändler beabsichtigten wieder etwas weniger oft, die Verkaufspreise anzuheben.