Konjunktur: Perspektiven der deutschen Wirtschaft 2012 und 2013 …
IKB-Barometer - November 2011
Seit dem Sommer 2011 haben sich die Aussichten für die Weltwirtschaft deutlich verschlechtert. Unternehmen und Haushalte in den USA und in Europa blickten zunehmend pessimistisch in die Zukunft. Im Vergleich zu den fortgeschrittenen Volkswirtschaften blieb die Nachfrage in den meisten Schwellenländern kräftig. Zwar kam es auch dort zu einer konjunkturellen Verlangsamung, sie blieb aber bisher moderat. Zudem war sie in der Regel wirtschaftspolitisch gewollt: Vielerorts zog wegen hoher Inflation die Geld- und die Finanzpolitik die Zügel an. Die weltwirtschaftliche Entwicklung dürfte in den nächsten Monaten divergierend verlaufen. Die Schwellenländer weisen weiterhin eine stabile – wenn auch gedämpfte – Wachstumsdynamik aus. Aber die USA und vor allem der Euro-Raum als Ganzes zeigen nur ein extrem schwaches Tempo. Im Ergebnis gehen wir davon aus, dass das Wachstum der Weltwirtschaft
in den nächsten beiden Jahren 3,5 % bzw. 4 % betragen dürfte.
Die Schulden- und Vertrauenskrise im Euro-Raum belastet zunehmend auch die Konjunktur in Deutschland. Zwar stufen die Unternehmen ihre wirtschaftliche Lage nach wie vor als gut ein, die Erwartungen hinsichtlich der weiteren Wirtschaftsentwicklung haben sie jedoch spürbar zurückgenommen. Auch bei den Auftragseingängen kam es im dritten Quartal zu einer deutlichen Abschwächung. Trotz der Erholung der Order im Oktober dürfte sich dies im Winterhalbjahr 2011/12 in der industriellen Erzeugung niederschlagen. Zudem startete die industrielle Produktion mit einem statistischen Unterhang in das vierte Quartal, sodass ein erheblicher Schub – der nicht erwartet wird – benötigt würde, um im letzten Vierteljahr ein positives Wachstum erzielen zu können. Damit ist für das vierte Quartal durchaus ein Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Leistung wahrscheinlich, und auch der Start ins Jahr 2012 dürfte noch relativ
schwach verlaufen. Ab Mitte 2012 sollte dann eine wirtschaftliche Belebung einsetzen, vorausgesetzt es kommt zu keiner weiteren signifikanten Verschärfung der Staatsschuldenkrise. Damit erwarten wir im Jahresdurchschnitt eine kalenderbereinigte, reale Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Leistung vom 0,9 % im Jahr 2012 und 1,9 % im Jahr 2013.
Die langsamere Gangart der Weltwirtschaft dürfte ebenfalls den Außenhandelszuwachs Deutschlands dämpfen. Dabei gehen wir davon aus, dass die Exportunternehmen ihre Stellung auf den internationalen Absatzmärkten halten und die Exporte im Gleichschritt mit dem internationalen Markt wachsen werden.
Nach dem kräftigen Anstieg der Ausfuhren um rd. 9 % in diesem Jahr wird sich also die Exportdynamik verlangsamen (2012: +5,1 %; 2013: + 5,8 %). Im Prognosezeitraum werden die Unternehmen hinsichtlich der Investitionen spürbar zurückhaltender agieren. Zwar zeigte sich die Investitionstätigkeit bis zuletzt intakt, trotzdem dürften die erhöhte Unsicherheit und ungünstige Erwartungen die Investitionsbereitschaft der Unternehmen im kommenden Winterhalbjahr deutlich hemmen.