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Großhandel: Geschäftsklima kann Rekordhoch nicht ganz behaupten

ifo Konjunkturperspektiven 08 / 2017 44. Jahrgang

I.
Im Großhandel konnte der Klimaindikator das ausgesprochen gute Vormonatsergebnis nicht ganz bestätigen. Zwar rechneten die Händler geringfügig häufiger mit einer positiven Geschäftsentwicklung in den kommenden Monaten, die aktuelle Geschäftslage bewerteten sie indessen etwas seltener günstig. Dennoch notierte der Lageindikator weiterhin auf einem außergewöhnlich hohen Niveau. Nach dem Bundesverband Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen (BGA) können die Großhändler jüngst wieder stärker an der insgesamt soliden Konjunktur Deutschlands partizipieren. Ferner dürfte die Preisdynamik die Geschäfte der Großhändler – wie in den vorangegangenen Jahren – nicht mehr erschweren. Die befragten Unternehmer berichteten häufiger von gestiegenen Umsätzen im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Lagerbestände hatten jedoch per Saldo zugenommen und eine Ausweitung der Bestellmenge war wohl auch in Anbetracht dessen spürbar seltener vorgesehen als noch zuletzt. Eine Anhebung der Verkaufspreise konnte öfter umgesetzt werden. Für die kommenden Monate waren Preisanpassungen hingegen merklich seltener vorgesehen. Die Personalplanungen waren fast unvermindert häufig auf Wachstum ausgerichtet, so dass weiterhin mit Neueinstellungen zu rechnen ist.

II.
Der Geschäftsklimaindikator im Bereich Großhandel mit elektrischen Haushaltsgeräten und Geräten der Unterhaltungselektronik konnte das Rekordergebnis des Vormonats (seit Beginn der Zeitreihe 1991) nicht ganz bestätigen. Dies war darauf zurückzuführen, dass sich die Befragten merklich seltener zuversichtlich zu ihren Geschäftserwartungen äußerten. Dennoch waren diesbezüglich die optimistischen Stimmen noch stark in der Überzahl. Ihre aktuelle Geschäftssituation bewerteten die Händler hingegen wieder öfter positiv, so dass die Vormonatsverluste des Lageindikators zum Teil wieder kompensiert werden konnten. Im Vergleich mit dem Vorjahresmonat wurde wieder deutlich häufiger von Umsatzsteigerungen berichtet. Die Händler haben ihre Kosten 2017 weiterhin gut im Griff. Bei steigenden Umsätzen dürfte es eine leichte Verbesserung der Ertragslage geben. Dank der anhaltend positiven Rahmenbedingungen sollten sie auch 2018 ein zufriedenstellendes Niveau erreichen. Die Verkaufspreise wurden laut der aktuellen Befragung seltener angehoben. Für die nahe Zukunft wurde aber weiterhin vielerorts mit Preisgestaltungsspielräumen gerechnet. Die Lagerbestände hatten per Saldo stark zugenommen und dementsprechend wurden die expansiven Bestellpläne deutlich zurückgenommen. Neueinstellungen waren ebenfalls etwas seltener vorgesehen.

III.
Im Großhandel mit landwirtschaftlichen Grundstoffen und lebenden Tieren wurde die aktuelle Geschäftslage auf hohem Niveau merklich seltener günstig bewertet. Die Unternehmen berichteten von sinkenden Umsätzen verglichen mit dem Vorjahresmonat. Preiserhöhungen konnten die Händler wesentlich seltener umsetzen. Bezüglich der künftigen Geschäftsentwicklung waren nun die pessimistischen Stimmen klar in der Überzahl, so dass selbst der deutlich negative Mittelwert unterboten wurde. Im Vormonat konnte hier noch ein positiver Saldenwert gemeldet werden. Auch erwarteten die Teilnehmer nun tendenziell, in den kommenden Monaten zu Preiszugeständnissen gezwungen zu sein. Obwohl die Lagerbestände auf einem für die Branche niedrigen Niveau abgenommen hatten, korrigierten die Unternehmen ihre Bestellpläne stark nach unten. Eine Ausweitung des Personalstamms war allerdings deutlich öfter vorgesehen als noch zuletzt. Insgesamt war ein kräftiger Rückgang des Klimaindikators, der noch im Vormonat eine neue Jahresbestmarke aufstellen konnte, zu beobachten.

IV.
Im Großhandel mit Papier/Pappe, Bürobedarf, Büchern, Zeitungen und Zeitschriften kam es zu einem moderaten Rückgang des Klimaindikators, der im langfristigen Vergleich aber weiterhin deutlich über seinem Mittelwert notierte. Der Rückgang war darauf zurückzuführen, dass die Befragten wesentlich seltener von einer günstigen Geschäftsentwicklung in den kommenden sechs Monaten ausgingen. Der zugehörige Indikator lag nun wieder im negativen Bereich aber noch knapp oberhalb seines historischen Mittelwerts. Eine Ausweitung der Bestelltätigkeit war dementsprechend seltener vorgesehen als noch zuletzt, obgleich die Lagerbestände fast unbewegt auf einem branchenspezifisch unterdurchschnittlichen Niveau verblieben. Die Personalplanungen waren indessen häufiger auf Wachstum ausgerichtet. Mit guten künftigen Preisgestaltungsmöglichkeiten wurde weiterhin vielerorts gerechnet. Den Umfrageergebnissen zufolge konnten die Preise auch jüngst häufiger erhöht werden. Die aktuelle Geschäftslage schätzten die Befragten deutlich öfter positiv ein, was auch an der sehr günstigen Umsatzentwicklung im Vergleich mit dem Vorjahresmonat liegen mag.