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Einzelhandel: Eingetrübte Geschäftserwartungen

ifo Konjunkturperspektiven 08/ 2017 44. Jahrgang

I.
Der Geschäftsklimaindikator für den Einzelhandel ist im August zum zweiten Mal in Folge gesunken. Nach dem florierenden zweiten Quartal und einem noch recht starken Juli hat der aktuelle Geschäftsverlauf etwas an Schwung verloren. Die erzielten Umsätze übertrafen die Ergebnisse des Vorjahresmonats nur noch leicht. Bezüglich der weiteren Geschäftsentwicklung äußerten sich die Befragungsteilnehmer skeptischer als im Vormonat. Angesichts des geringfügig gestiegenen Lagerdrucks wollten die Einzelhändler bei der Ordervergabe zurückhaltend bleiben. Ihre Personalpläne sahen jedoch eine Erhöhung des Personalbestands vor. Nach Einschätzung der befragten Firmen werden in den nächsten Monaten Spielräume für eine Erhöhung der Verkaufspreise offen bleiben. Angesichts der nahezu unverändert niedrigen Sparquote der privaten Haushalte sind jedoch die Perspektiven für den Einzelhandel weiter gut.

II.
Sowohl im Gebrauchs- als auch im Verbrauchsgüterbereich war im August eine deutliche Verschlechterung des Geschäftsklimas zu beobachten. Die Firmen waren wesentlich weniger zufrieden mit der aktuellen Geschäftslage. Auch die Anzahl der pessimistischen Meldungen bezüglich der Geschäftsperspektiven hat per Saldo merklich zugenommen.

III.
Der Geschäftsklimaindex für den Kfz-Einzelhandel ist nach dem merklichen Anstieg im Vormonat deutlich gesunken und zeigte den schlechtesten Wert seit Oktober 2014. Maßgeblich dafür war die rasante Verschlechterung bei der Beurteilung der momentanen Geschäftslage, die auf einem Stimmungsumschwung insbesondere im Einzelhandel mit Neuwagen beruht. Dabei spielte die aktuelle Dieselaffäre und die damit verbundenen Konsequenzen wie mögliche Fahrtverbote in großen Städten, die zu deutlichen Wertverlusten des Diesel-Fahrzeugs und damit zu hohen Verlusten der Händler führen könnten, eine Rolle. Die Geschäftserwartungen sowohl im Neu- als auch im Gebrauchtwagenhandel haben sich ebenfalls stark eingetrübt. Die Indikatoren lagen unter dem langjährigen Durchschnitt. Da die Lagerbestände gestiegen sind, wollten sich die Autohändler bei der Ordervergabe vermehrt einschränken. Zudem planen die Neuwageneinzelhändler häufiger den Personalabbau.

Für das Kraftfahrzeuggewerbe war das Jahr 2016 das dritte starke Autojahr in Folge. Den Angaben des ZDK (Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe e.V.) zufolge lag der nominale Umsatzzuwachs bei 9,9%. Das war die höchste Rate seit Anfang der 1990er Jahre. Auch das Basisgeschäft, der Neuwagenhandel, legte mit 5,7% erneut kräftig zu. Der Fahrzeugbestand stieg im vergangenen Jahr nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts um 1,8 Mill. auf 48,7 Mill. Kraftfahrzeuge, die Zahl der Neuzulassungen erhöhte sich im Jahresdurchschnitt 2016 um 4,5% auf 3,4 Mill. Allerdings sank der Anteil der über den institutionellen Handel abgesetzten Personenkraftwagen weiter zugunsten der Direktverkäufe
der Industrie, nämlich von 64% (2015) auf 62% (2016). Der durchschnittliche Fahrzeugpreis erhöhte sich um 3,7% auf 29 650 Euro. Noch dynamischer als der Neuwagenhandel verlief im vergangenen Jahr das Geschäft mit gebrauchten Fahrzeugen, das mit einem Umsatzplus von 16,4% einen erheblichen Wachstumsschub verbuchen konnte.

Die positive Tendenz hat sich im bisherigen Jahresverlauf, wenngleich mit abgeschwächten Raten, fortgesetzt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts setzte der Kfz-Einzelhandel im ersten Halbjahr real 5,3%, nominal 6,8%, mehr als im vergleichbaren Zeitraum des vergangenen Jahres um. Laut Kraftfahrt-Bundesamt wurden im Juli 332 549 Kfz neu zugelassen. Auch die Kfz-Besitzumschreibungen lagen im Juli mit 1,5% über dem Niveau des Vorjahresmonats, davon entfallen rund zwei Drittel auf den Gebrauchtwagenhandel. Allerdings zeigte sich der zwischenzeitlich eingetretene Vertrauensverlust in den Dieselantrieb zuletzt in rückläufigen Zulassungszahlen für Dieselfahrtzeuge. Im Juli wurde ein Rückgang der Neuzulassungen von 12,7% im Vergleich zum Vorjahresmonat gemeldet.

IV.
Im Einzelhandel mit Computern, Hard- und Software zeigten sich die Händler im August äußerst zufrieden mit ihrer aktuellen Geschäftslage. Die Geschäftserwartungen waren aber etwas weniger optimistisch als in den vergangenen zwei Monaten, so dass der Klimaindikator geringfügig zurückgegangen ist. Er verbleibt
jedoch über dem langjährigen Durchschnitt. Der Lagerdruck reduzierte sich und die Handler zeigten sich bestellfreudig. Die Verkaufspreise sind nach den Umfrageergebnissen im ersten Halbjahr öfter angehoben worden. In den kommenden Monaten wird sich der Anstieg abgeschwächt fortsetzen. Die Personalplanungen sahen eine Aufstockung der Mitarbeiterzahlen vor.

Nach einem guten Geschäftsjahr 2016 rechnen die Händler im laufenden Jahr weiter mit steigenden Umsätzen, trotz starker Konkurrenz der Onlineanbieter, die eine große Herausforderung für den stationären Facheinzelhandel sind. Den Angaben des Statistischen Bundesamts zufolge stieg der reale Umsatz im ersten Halbjahr 2017 gegenüber dem vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres um 2,9%. Nach der diesjährigen Verbraucherumfrage des EHI Retail Institutes wollte jeder Dritte im laufenden Jahr ein neues Smartphone kaufen. Knapp 20% planen die Anschaffung eines neuen Laptops. Danach rangieren Tablet- und Desktop-PCs, Digitalkameras und Navigationssysteme. Nur wenige der Befragten wollen hingegen E-Reader, MP3-Player und digitale Videokameras erwerben. Bevorzugt kaufen die Befragten dabei in großen Verbrauchermärkten. Bei den Firmenkunden schafft die zunehmende Digitalisierung ebenfalls zusätzliche Absatzmöglichkeiten. Laut Handelsverband Büro- und Schreibkultur sind die rasche Beschaffung von Neugeräten sowie Fullservice-Angebote, die Softwarelösungen beinhalten, wichtige Verkaufsmotive.