IP-Mittelstand

Informationen rund um die Uhr

Lesen Sie auf den folgenden Seiten Wichtiges aus der Praxis für die Praxis.

Direktkontakt? Sehr gerne! 02 34/47 69 235 oder kontakt(at)ip-mittelstand.de.

Bauhauptgewerbe: Ein Viertel der Straßenbauer beklagt Arbeitskräftemangel

I.
Nach den Ergebnissen der ifo Konjunkturumfrage erreichte das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe einen neuen Rekordwert. Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen hinsichtlich der kommenden sechs Monate haben sich leicht verbessert.
Die Geräteauslastung blieb unverändert bei 77,8% und lag damit um 1,6 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Die Reichweite der Auftragsbestände verharrte im Durchschnitt der Bausparten bei 3,7 Monaten (September 2016: 3,4). Von den Befragungsteilnehmern klagten 31% über Behinderungen bei der Bautätigkeit. Insgesamt hatten 18% der Baufirmen mit Arbeitskräfte- und 7% mit Auftragsmangel zu kämpfen. Da sich mittlerweile fast ein Fünftel der befragten Baufirmen über Arbeitskräftemangel beklagt und dies in allen fünf Teilsparten eine ausgeprägte Problematik darstellt, könnte dies wesentliche Folgen für das zukünftige Wachstum der Bauleistungen haben. Bisher wurde vor allem über die fehlenden Kapazitäten im Ausbaugewerbe berichtet.
Inzwischen erstrecken sich die nennenswerten Engpässe beim Arbeitskräfteangebot offensichtlich auf das gesamte Baugewerbe, wodurch diese Thematik eine neue Dimension erreicht hat. Nach den Angaben der Firmen zu schließen, konnten die Preise seltener angehoben werden. Für die nahe Zukunft rechneten die Umfrageteilnehmer häufiger als zuletzt mit steigenden Preisen. Die Unternehmen planten weiterhin, ihren Personalbestand in der nahen Zukunft aufzustocken.
Nach den Ergebnissen der September-Sonderfrage berichtete etwa die Hälfte der Teilnehmer über spezielle Schwierigkeiten, die in den vergangenen sechs Monaten aufgetreten sind. So bemängelten 26% der Befragten die säumige Zahlungsweise der Auftraggeber und 11% Auftragsstornierungen. Das Problem des Abwerbens von Arbeitskräften nannten 22%. Dies ist der höchste jemals gemessene Wert. Darüber hinaus beklagte insgesamt ein Drittel der teilnehmenden Baufirmen Verletzungen der Bestimmungen der »Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen« (VOB). 23% beanstandeten die Zuschlagserteilung auf das billigste und nicht auf das wirtschaftlich annehmbarste Angebot, 17% der Betriebe litten unter Baubehinderungen durch den Auftraggeber und 23% machten die verzögerte Bauabnahme des Bauherrn zu schaffen.

II.
Im Hochbau erreichte das Geschäftsklima einen neuen Rekordwert. Zwar zeigten sich die Firmen mit ihrer aktuellen Situation geringfügig weniger zufrieden als im August. Dies ist auf den leichten Rückgang im Wohnungsbau zurückzuführen. Gleichwohl wurde die Geschäftsentwicklung etwas optimistischer eingeschätzt – insbesondere im gewerblichen Hochbau. 29% aller Hochbaufirmen klagten über Behinderungen bei der Produktion, vorwiegend wegen unzureichendem Arbeitskräfteangebot (16%). Im gewerblichen und öffentlichen Hochbau erreichten die Werte zum Arbeitskräftemangel dabei neue Höchststände. Der Auslastungsgrad der Gerätekapazitäten blieb unverändert bei 77,7% und lag damit über dem Vorjahreswert (75,9%). Die Reichweite der Auftragsbestände lag in den drei Teilsparten unverändert auf dem Wert des Vormonats (Wohnungsbau: 3,5 Monate; öffentlicher und gewerblicher Hochbau: 3,1 bzw. 4,0 Monate). Die Meldungen der Firmen deuten darauf hin, dass sie die Preise zuletzt häufiger heraufsetzen konnten. Zudem war die Aussicht auf zukünftige Preisanhebungen etwas verbreiteter als bisher.

III.
Im Tiefbau trübte sich der Geschäftsklimaindikator geringfügig ein. So beurteilten die Tiefbaufirmen ihre aktuelle Geschäftslage leicht ungünstig. Zudem schätzten sie die Geschäftsentwicklung in den nächsten Monaten etwas weniger zuversichtlich ein. 34% der Befragungsteilnehmer berichteten über Behinderungen der Bautätigkeit. Arbeitskräftemangel war dabei mit 21% die am häufigsten genannte Ursache (September 2016: 14%). Dies ist der höchste Stand seit der Wiedervereinigung. Ein Viertel der befragten Unternehmen im Straßenbau klagte über Arbeitskräftemangel; im sonstigen Tiefbau lag der Wert bei 19%. Der Auslastungsgrad des Maschinenparks vergrößerte sich geringfügig von 76,6 auf 76,7%. Die Reichweite der Auftragsbestände nahm im Straßenbau leicht um 0,1 auf 3,3 Monate ab. Im sonstigen Tiefbau blieb dieser unverändert bei 4,0 Monaten. Im Durchschnitt der Tiefbausparten reichten die Auftragsreserven für 3,7 Monate (September 2016: 3,3 Monate). Auf Grundlage der Firmenmeldungen ist davon auszugehen, dass die Preise weniger häufig heraufgesetzt wurden. In den nächsten Monaten dürften sich die Preiserhöhungsspielräume geringfügig verringern.